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Mental Load sichtbar machen: die Liste für Familien

Mit einer Liste seht ihr, wer im Haushalt woran denkt, und könnt die Last fair verteilen. Mit Vorlage zum Ausdrucken.

Von Heimrunde-Redaktion · Aktualisiert am

Auf dieser Seite
  1. Was Mental Load meint
  2. Was die Zahlen zeigen, und was nicht
  3. Die Liste nach Bereichen
  4. Das Gespräch führen
  5. Wiederkehrendes aus dem Kopf holen
  6. Nach vier Wochen nachjustieren
  7. Vorlage: Mental-Load-Liste zum Ausdrucken
  8. Beispiel: So kann die Verteilung aussehen
  9. So geht das mit Heimrunde

Mental Load ist die unsichtbare Arbeit im Kopf: daran denken, planen, nachhalten. Wer sie sichtbar macht, kann sie verteilen. Hier findest du eine Liste nach Bereichen, die ihr gemeinsam ausfüllt, und einen Weg, darüber zu reden, ohne dass es im Streit endet. Es geht um Aufgaben im Familienalltag, nicht um Geld und Finanzen.

Was Mental Load meint

Jede Aufgabe im Haushalt hat drei Teile:

  1. Daran denken: Merken, dass etwas ansteht. Die Einladung zum Kindergeburtstag liegt im Ranzen.
  2. Planen: Überlegen, was zu tun ist. Zusagen, ein Geschenk aussuchen, klären, wer hinbringt.
  3. Erledigen: Das Geschenk kaufen, einpacken, das Kind am Samstag um 15 Uhr hinbringen.

Sichtbar ist meist nur der dritte Teil. Die ersten beiden laufen im Kopf, oft nebenbei und zu jeder Tageszeit. Wenn sie immer bei derselben Person liegen, ist diese Person dauernd im Dienst, auch wenn die andere beim Erledigen mit anpackt.

Was die Zahlen zeigen, und was nicht

Das Statistische Bundesamt misst regelmäßig, wie viel Zeit Menschen in Deutschland für unbezahlte Arbeit aufwenden, also für Haushalt, Kinderbetreuung, Pflege und Ehrenamt. Laut der Zeitverwendungserhebung 2022 haben Frauen im Schnitt rund neun Stunden pro Woche mehr unbezahlte Arbeit geleistet als Männer. Das entspricht einem Unterschied von 44,3 Prozent.

Diese Zahl misst Zeit für Tätigkeiten. Das Daran-Denken lässt sich so kaum erfassen. Und sie sagt nichts über eure Familie. Bei euch kann die Last ganz anders liegen. Deshalb hilft die Liste unten mehr als jede Durchschnittszahl: Sie zeigt, wie es bei euch tatsächlich ist.

Die Liste nach Bereichen

Geht die Bereiche einmal durch und schreibt alles auf, was regelmäßig anfällt. Wichtig sind gerade die kleinen Dinge, an die nur eine Person denkt. Die folgende Liste ist ein Anfang:

  • Essen und Einkauf: Essen für die Woche planen, merken, was fehlt, Einkaufsliste schreiben, Pausenbrot, Getränke und Vorräte, Kuchen für das Schulfest.
  • Kinder: Kita- und Schulpost lesen, Elternabende, Ausflüge bezahlen und Formulare unterschreiben, Arzttermine und Impfungen, Kleidung in der passenden Größe, Hobbys und Fahrdienste, Ferienbetreuung, Geschenke für Kindergeburtstage.
  • Haushalt: Putzen, Wäsche, Bettwäsche wechseln, Müll und Abfuhrtage, Reparaturen organisieren, Putzmittel nachkaufen.
  • Termine und Familie: Familienkalender pflegen, Geburtstage und Geschenke, Besuche bei Großeltern, Karten und Anrufe, Urlaub vorbereiten.
  • Haus und Auto: Termine für Werkstatt und Hauptuntersuchung, Heizung, Rauchmelder, Garten, Handwerker.

Füllt die Liste zuerst jede Person für sich aus. Vergleicht danach. Wo ihr unterschiedliche Namen eingetragen habt, lohnt sich das Gespräch am meisten.

Das Gespräch führen

Die Liste ist kein Beweisstück, sondern eine Arbeitsgrundlage. Diese Punkte helfen, dass es dabei bleibt:

  • Einen ruhigen Moment wählen: Nicht nach einem Streit, nicht zwischen Tür und Angel. Plant eine halbe Stunde ohne Kinder ein.
  • Beschreiben statt vorwerfen: „Ich merke, dass ich an alle Arzttermine denke“ kommt besser an als „Du denkst nie an irgendwas“.
  • Zuständigkeit statt Mithelfen: Wer eine Aufgabe übernimmt, übernimmt alle drei Teile. „Ich kümmere mich um die Kinderarzttermine“ heißt: daran denken, Termin machen, hingehen. Nicht: „Sag mir, wann ich hin soll.“
  • Klein anfangen: Gebt zwei, drei ganze Bereiche ab, nicht zwanzig Einzelaufgaben.
  • Anders ist nicht falsch: Wer einen Bereich übernimmt, darf ihn auf seine Art erledigen. Nachkontrollieren holt die Last zurück.
  • Nicht aufrechnen: Ziel ist eine Verteilung, mit der alle leben können, nicht eine exakte Punktzahl.

Kinder können auch Teile übernehmen, und zwar ganz: Wer den Müll hat, merkt sich auch den Abfuhrtag. Was in welchem Alter passt, steht in Aufgaben für Kinder im Haushalt nach Alter.

Wiederkehrendes aus dem Kopf holen

Vieles im Kopf ist Wiederholung: jede Woche Milch, jeden Donnerstag Müll, jedes Jahr die Geburtstage. Das muss niemand ständig selbst wissen, wenn es einmal festgehalten ist.

  • Eine Liste für Wiederkehrendes: Aufgabe, Rhythmus, wer. Einmal schreiben, dann hängt sie an einem festen Ort.
  • Ein Kalender für alle: Termine, Geburtstage und Ferien an einer Stelle, die alle sehen. Wie das gelingt, steht in Familienkalender: analog oder digital.
  • Eine Einkaufsliste für alle: Wer merkt, dass etwas fehlt, schreibt es sofort auf, egal wer einkauft.
  • Feste Plätze: Kita-Post, Formulare und Schlüssel haben einen festen Ort. Dann muss niemand suchen oder fragen.

Nach vier Wochen nachjustieren

Eine neue Verteilung braucht ein paar Wochen, bis sie sitzt. Setzt euch nach vier Wochen noch einmal zusammen und geht diese Fragen durch:

  • Hat jede Person ihre Bereiche selbst im Blick, ohne erinnert zu werden?
  • Gibt es Aufgaben, die still wieder zurückgewandert sind?
  • Ist etwas Neues dazugekommen, etwa ein Hobby, ein Schulwechsel oder ein neuer Job?
  • Fühlt sich die Verteilung für alle fair an?
  • Was soll in den nächsten vier Wochen anders laufen?

Ist gerade alles zu viel, hilft zuerst ein kleinerer Plan. Wie der aussieht, steht in Wenn der Haushalt über den Kopf wächst. Wer die Putzaufgaben danach fest verteilen will, findet eine Vorlage im Putzplan für die Familie.

Weitere Themen rund um die Organisation findest du unter Familienorganisation.

Vorlage: Mental-Load-Liste zum Ausdrucken

Trag bei jeder Aufgabe ein, wer daran denkt und wer sie erledigt. Stehen dort zwei verschiedene Namen, ist das ein guter Kandidat für das Gespräch.

Bereich Aufgabe Wer denkt daran Wer macht es Wie oft
Essen und Einkauf Essen für die Woche planen wöchentlich
Essen und Einkauf Merken, was fehlt laufend
Essen und Einkauf Pausenbrot vorbereiten an Schultagen
Kinder Kita- und Schulpost lesen laufend
Kinder Arzttermine ausmachen und hingehen nach Bedarf
Kinder Kleidung in der passenden Größe zum Saisonwechsel
Kinder Geschenke für Kindergeburtstage nach Einladung
Kinder Ferienbetreuung organisieren vor den Ferien
Haushalt Bad putzen wöchentlich
Haushalt Wäsche waschen, aufhängen, wegräumen mehrmals pro Woche
Haushalt Müll und Abfuhrtage wöchentlich
Haushalt Reparaturen organisieren nach Bedarf
Termine und Familie Familienkalender pflegen wöchentlich
Termine und Familie Geburtstage und Geschenke laufend
Haus und Auto Werkstatt und Hauptuntersuchung jährlich

Beispiel: So kann die Verteilung aussehen

So könnten Max und Julia ihre Bereiche nach dem Gespräch aufgeteilt haben. Jeder Bereich liegt ganz bei einer Person, vom Daran-Denken bis zum Erledigen.

Bereich Zuständig Dazu gehört
Essen planen und Einkauf Max Wochenplan, Einkaufsliste, Vorräte
Kinderärzte und Gesundheit Julia Termine, Impfungen, Hingehen
Schule und Kita Max Post lesen, Elternabende, Formulare
Wäsche Julia Waschen, Aufhängen, Kleidergrößen
Geburtstage und Geschenke Max Liste pflegen, Geschenke, Karten
Müll Leon Abfuhrtage merken, Tonne rausstellen
Fahrdienste Julia und Max im Wechsel wer bringt, wer holt ab

So geht das mit Heimrunde

Heimrunde übernimmt das Erinnern, damit Wiederkehrendes nicht mehr in einem Kopf hängen muss.

  • Wiederkehrende Aufgaben mit Namen: Schreib „Leon Müll rausbringen jeden Donnerstag“. Unter „Wer macht es“ steht dann Leon, und die Aufgabe steht zur richtigen Zeit auf seiner Liste (Wer macht es).
  • Was ihr immer braucht: Trag unter „Einkauf“ bei „Grundbedarf“ zum Beispiel „5 l Milch jede Woche“ ein. Ist es wieder dran, kommt es von selbst auf die Liste (Grundbedarf).
  • Erinnerungen ohne Einstellen: Bei Terminen mit Uhrzeit erinnert Heimrunde eine Stunde vorher, bei ganztägigen am Abend vorher (Erinnerungen).
  • Geburtstage mit Geschenkidee: Unter „Geburtstage“ notierst du bei „Geschenkidee“, was ihr schenken wollt. Die Idee steht drei Tage vorher in der Erinnerung (Geburtstage).

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Quellen

  1. Statistisches Bundesamt: Gender Care Gap 2022, Pressemitteilung Nr. 073 vom 28. März 2024, abgerufen am